hund knurrt

Kennst du dieses Gefühl, wenn du dich deinem Hund näherst und plötzlich ertönt ein tiefes Grollen aus deinem geliebten Vierbeiner?

Du erschreckst vielleicht oder fühlst dich sogar beleidigt oder angegriffen. Jedenfalls ist so eine Reaktion deines Hundes nichts schönes, und du möchtest nicht, dass das öfter passiert.

Das ist vollkommen verständlich, denn du willst ihm ja nichts Böses und er soll das auch wissen.

 

Doch genau hier liegt ein häufiges Problem begründet. Wir Menschen können noch so gute Absichten haben, unsere Hunde wissen das ja nicht unbedingt und reagieren deshalb nach ihrem eigenen Gefühl.

Dazu sollte man wissen, Knurren ist zwar für uns oft bedrohlich, doch es handelt sich dabei um eine Form von Kommunikation, die Hunde benutzen um jemanden (egal ob Menschen oder andere Tiere) um Distanz oder Unterlassung zu bitten.

 

Du kannst dir das etwa so vorstellen:

Du sitzt in einem Café und genießt einen Nachmittag mit einer Freundin oder auch einem guten Buch. Da kommt jemand, lehnt sich über deine Schulter und greift nach deinem Getränk. Anfangs wirst du dir vielleicht denken ‚was soll denn das jetzt?‘. Doch wenn dieser Jemand nicht gleich wieder geht, wirst du ihn vielleicht erst einmal mehr oder weniger höflich darauf hinweisen, dass dir die Situation gerade nicht angenehm ist.

Macht er dann immer noch weiter, wirst du vielleicht ungehaltener. Und irgendwann hast du dann genug und schreist ihn an oder drohst mit einer Konsequenz (zB Polizei oä).

 

So ähnlich fühlt sich dein Hund womöglich, wenn er eine (für ihn wichtige) Ressource verteidigt. In dem Moment wo er noch knurrt, ist er auf dem Level wo du der unhöflichen Person im Café sagst, er möge das unterlassen. Ignorierst du jetzt diesen Wunsch deines Hundes, kann es sein, dass er deutlicher wird und droht oder gar schnappt.

 

Leider wird immer noch häufig empfohlen, den Hund für Knurren zu Recht zu weisen oder zu bestrafen. Diese Ratschläge entspringen unserem Erschrecken über das Verhalten des Hundes und sind daher völlig nachvollziehbar. Allerdings ändert das nichts an deren Gefährlichkeit.

Denn es ist durchaus möglich, dem Hund das Knurren ab zu gewöhnen. Das ändert nur nichts an der Ursache des Verhaltens oder der Gefühlslage des Hundes. Daher wird er vielleicht nicht mehr knurren, aber dafür umso schneller und unvorhersehbarer zuschnappen.

Was also kannst du tun, wenn dein Hund etwas vor dir verteidigt?

 

Ein erster Schritt wäre herauszufinden, was denn in dem Moment das Verhalten auslöst. Das kann ein Spielzeug, ein Kauartikel, die Futterschüssel, der Wassernapf, ein Liegeplatz, ein Artgenosse, ein anderes Tier uvm sein. Bist du dir nicht sicher, schreib die Situation genau auf und führe ein kleines Protokoll. Meist erkennst du so recht schnell, was denn das Objekt der Begierde ist.

Außerdem solltest du die die Distanz aufschreiben, die du zu deinem Hund hattest, als er geknurrt hat.

 

Hast du den Grund und die Distanz herausgefunden, geht es erst einmal um Management. Du solltest in größerem Abstand zu deinem Hund bleiben, wenn die Ressource anwesend ist. In dieser entspannten Distanz kannst du deinem Hund etwas anbieten, um deine Präsenz angenehm für ihn zu gestalten.

 

Ein Beispiel:

Dein Hund verteidigt seinen Liegeplatz. Bis zu 5m kannst du dich nähern während er noch entspannt liegt.

In dieser Situation könntest du bei 5,5m stoppen und ein Stück Futter auf den Liegeplatz werfen. Danach entfernst du dich wieder. So wirst du schnell merken, wie sich die Wohlfühldistanz immer weiter Richtung Liegeplatz erweitern lässt.

 

Ein weiterer Moment, wo Knurren im Haushalt oft vorkommt (abgesehen von den Ressourcen) ist bei Pflegehandlungen oder medizinischen Behandlungen.

Diese sind dem Hund oft unangenehm und wenn er das Prozedere nicht gut genug gelernt hat, kann es sein, dass er dich zum Aufhören bewegen möchte.

Hier hast du im Groben 2 Möglichkeiten.

  • In dem Moment, wo dein Hund knurrt machst du eine kurze Pause, wo ihr beide durchatmen könnt (vielleicht geht ihr kurz an die frische Luft)
  • Knurrt dein Hund schon zu Beginn der Behandlung oder gar, wenn du noch gar nicht angefangen hast, bleibt abzuwägen ob die Behandlung unbedingt sein muss (dann hilft nur Management und so wenig Zwang wie möglich, alternativ lässt du den Tierarzt dieses Mal übernehmen um eine negative Verknüpfung mit dir gering zu halten) oder ob du sie erst einmal vernachlässigen kannst, bis das Training gut geklappt hat.

 

Manchmal gibt es zu Behandlungen auch Alternativen, die dem Hund angenehmer sind (zB eine einmalige Spritze beim Tierarzt, statt täglicher Gabe einer Tablette durch den Halter) oder es ist vertretbar eine Pflegehandlung (zB Baden) erst wieder zu versuchen, wenn der Hund gelernt hat mit zu machen.

Möchtest du deinem Hund das Mitmachen schmackhaft machen, kannst du dies sehr schnell und erfolgreich über Medical Training machen.

 

Falls du dabei Hilfe brauchst, kannst du dich jederzeit an einen Trainer in deiner Nähe wenden oder natürlich auch mir gerne eine Mail schicken.

 

Zusammenfassen halten wir also fest: es ist völlig normal, erst einmal zu erschrecken, wenn der Hund knurrt. Jedoch handelt es sich dabei um Kommunikation und sollte nicht unterdrückt werden. Stattdessen, kannst du deinem Hund durch freundliches Training zeigen, dass er nicht beunruhigt sein muss, wenn du dich näherst oder etwas mit/an ihm machen möchtest.

 

Es gibt kaum etwas schöneres, als das Vertrauen eines Hundes zu (zurück zu) gewinnen.