blog anziehen

Es gibt sie immer wieder, die Hunde, die sich einfach nicht anziehen lassen. Manche davon zeigen sich ängstlich, wenn man mit dem Geschirr kommt, andere erstarren und wieder andere beginnen sogar mit Abwehrverhalten.

Doch warum ist das so?

Oft wird gesagt, „naja kein Wunder bei einem Tierschutzhund, der kennt ja nix“. Und manchmal haben diese Stimmen sogar Recht. Doch es wäre zu einfach, nur die Tierschutzhunde mit diesem Problem zu sehen. Leider passieren ganz oft kleine Fehler, die ihre Auswirkungen beim Anziehen zeigen oder es wurde in der frühen Kindheit etwas verpasst.

Fakt ist, dass Hunde, die sich nicht anziehen lassen, einen Grund dafür haben. Oft kann dieser Grund nur erahnt werden (schlechte/keine Erfahrungen). Manchmal jedoch ist die damit verbundene Aktion oder der Akt des Anziehens das Problem.

Eine genaue Beobachtung der Körpersprache und der Situation ist hier ausschlaggebend.

Erste Anzeichen

Bevor der Hund das Geschirr komplett vermeidet, sind oft schon viel früher erste Anzeichen von Unbehagen erkennbar.

Auf diese Zeichen solltest du bei deinem Hund achten

  • Über den Fang schlecken
  • Schmatzen
  • Kopf abwenden
  • Pfote heben
  • Körper abwenden
  • Blinzeln
  • Augen klein machen (kneifen)
  • Ohren anlegen
  • Nach dem Anziehen schütteln

Vielleicht fällt dir etwas an diesen Zeichen auf?

Es sind Beschwichtigungssignale! Der Hund möchte also eine für ihn unangenehme/gefährliche Situation entschärfen.

Veränderst du jetzt etwas an der Situation, wird dein Hund merkbar erleichtert sein und wieder gerne mitmachen. Doch auch hier gilt es, den Grund für das Unbehagen herauszufinden.

Der unhöfliche Mensch

Da wir mit unserem aufrechten Gang wesentlich größer sind als die meisten Hunde, tendieren wir dazu, uns beim Anziehen (und auch im Alltag) über sie zu beugen.

Für einen Hund wirkt das aber sehr bedrohlich. Du kannst das gerne einmal ausprobieren, indem du dich auf Höhe deines Hundes begibst und jemanden bittest, sich über dich zu beugen. Das ist kein schönes Gefühl.

In manchen Situationen (zB wenn sich der Hund mit älteren Personen wohlfühlen soll) kann es sinnvoll sein, dieses Drüberbeugen zu trainieren. Hier geht man ganz kleinschrittig vor, und zeigt dem Hund so, dass immer wenn ein Mensch unhöflich wird, etwas tolles passiert. Wir verändern also das Gefühl des Hundes.

Auch wenn du nicht immer daran denken willst, kannst du deinem Hund das Drüberbeugen schmackhaft machen. Hierfür solltest du aber den Rat deines Trainers einholen.

Ansonsten gilt: beim Anziehen eher in die Hocke gehen und seitlich zum Hund ausrichten. Mit einem gut trainierten Handtarget oder einem geschickt platzierten Leckerli lässt sich auch der Hund passend positionieren und drehen.

Das passende Geschirr

Beim Geschirr ist es ähnlich wie beim Maulkorb. Man sieht viel zu oft Hunde mit unpassenden Modellen herumlaufen.

Folgende Punkte sollten beim Geschirr beachtet werden

  • Unter die Gurte passen mehrere Finger, sodass nichts drückt
  • Das Geschirr verrutscht auch beim Laufen nicht
  • Schnallen und Nähte sind gut verarbeitet (Sicherheit)
  • Der Bauchgurt liegt je nach Hundegröße 2 Finger bis 1 Handfläche hinter dem Ellenbogen
  • Das Y an der Brust liegt auf dem Brustbein auf, nicht darüber

Besonders der letzte Punkt ist wichtig, um ein Würgen bei Zug zu verhindern. Aus diesem Grund ist auch ein Halsband allein meist nicht geeignet. Denn selbst bei Hunden, die sehr tüchtig an der Leine laufen, kann es passieren, dass sie sich erschrecken. Springt der Hund dann etwas zur Seite und in die Leine, ist ein Halsband sehr schmerzhaft (je dünner und härter, desto schlimmer).

Genau das gleiche Problem bieten sogenannte Norweger- oder Sattelgeschirre. Auch sie haben durch den quer verlaufenden Brustgurt einen Druckpunkt auf der Luftröhre (oder dem Kehlkopf) des Hundes, was zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Außerdem schränken diese Geschirre durch ihre Form die Bewegung in der Schulter massiv ein. Daher sind sie in jeder Situation völlig ungeeignet.

Aber auch Y-Geschirre können schlecht sitzen und damit unangenehm für den Hund sein. In diesem Fall ist es wahrscheinlich nicht verwunderlich, dass der Hund sich nicht gerne anziehen lässt.

Dieser Zusammenhang ist auch möglich, wenn das Geschirr zu wenig oder mit unpassendem Material gepolstert ist. So kann ein Flies Polster schön weich und super geeignet für kurzfellige Hunde sein, jedoch fürs schwimmen sehr unangenehm sein, da er sich mit Wasser ansaugt und dann lange kalt und nass ist.

Wie du siehst, erfordern der Hundetyp, die Aktivität und auch der Körperbau sehr unterschiedliche Dinge vom Geschirr.

Letzteres zeigt sich besonders bei Hunden mit tiefem Brustkorb, häufig. Sie brauchen oft eine x-Form des Brustgurtes (es laufen 2 Gurte auf beiden Seiten des Brustkorbes zum Bauchgurt), da das Geschirr mit einem einfachen Gurt zu sehr zur Seite rutscht.

Im Zweifel kann ein Trainer oder eventuell Physiotherapeut hier beratend zur Seite stehen.

Das Gefühl

Manche Hunde mögen auch kein Geschirr, weil sie es nicht mögen, etwas am Körper zu tragen. Das kann wiederum darin begründet liegen, dass sie es nie kennen gelernt haben und erst langsam daran gewöhnt werden müssen.

Es kann aber auch sein, dass ein Hund extrem sensibel auf Berührungen der Haut oder bestimmter Körperpartien reagiert. In diesem Fall ist ein guter Tierarzt (Physiotherapeut) aufzusuchen. Sind Schmerzen oder eine übersteigerte Empfindlichkeit der Haut die Ursache für die Abneigung deines Hundes, sollte ihm erst Abhilfe dieser Problematik geschaffen werden.

Erst dann kann wieder am Geschirr gearbeitet werden. Leider kommt es aber vor allem in diesen Fällen ab und zu vor, dass das Schmerzgedächtnis so fest sitzt, dass der Hund ein Geschirr nie akzeptiert. In diesem Fall muss man für den Einzelfall Alternativen finden. Aber auch dies sollte mit einem Trainer erarbeitet werden.

Es hat gar nichts mit dem Geschirr zu tun

Besonders bei ängstlichen/unsicheren Hunden kommt es auch oft vor, dass das Geschirr mit einem Spaziergang verbunden wird und der Hund möchte diesen vermeiden. Das kann an Überforderung, Schmerzen oder Ängsten liegen und sollte ebenfalls mit einem Trainer oder Verhaltenstierarzt besprochen werden.

Es gibt die Möglichkeit, das Geschirr wieder positiv zu belegen, indem nach dem Anziehen (neu auftrainieren) immer besonders tolle Dinge passieren. Beispielsweise kann der Hund zum Futtersuchspiel, zum Kuscheln, zum Füttern usw angezogen werden. Hier sollte aber vorher das Anziehen unbedingt so trainiert werden, dass der Hund freiwillig mitmacht. Lässt man diese Vorarbeit weg, kann man sich die tollen Sachen auch negativ belegen und damit den Spaß daran zunichtemachen.

Doch ein Halsband

Wie bereits erwähnt, ist ein Halsband meist keine gute Alternative, weil die Verletzungsgefahr deutlich größer ist. Außerdem gibt es mit einem guten Geschirr mehr Möglichkeiten der Ausrüstung. Das beste Beispiel ist hierfür die Schleppleine. Eine Schleppleine kann besonders bei einem neuen oder ängstlichen Hund ein tolles Hilfsmittel zur Sicherung sein. Sie kann auch bei jagdlich interessierten Hunden einen größeren Bewegungsradius ermöglichen, ohne andere Tiere zu gefährden. ABER eine Schleppleine darf niemals am Halsband befestigt werden, denn damit besteht Lebensgefahr für den Hund.

Auch die Sicherung im Auto ist eingeschränkter mit einem Halsband. So kann ich beispielsweise keinen Sicherheitsgurt im Halsband einhängen, denn auch hier besteht Lebensgefahr.

Aber natürlich gibt es auch Fälle, wo ein Geschirr einfach nicht möglich ist (zB ein großer Tumor im Bereich eines Gurtes), wo der Ausweg auf ein Halsband die einzige Möglichkeit bleibt. Hierbei sollte ein ausreichend breites gewählt werden, das den Hund nicht einschnürt, jedoch nicht so breit, dass die Bewegung des Halses eingeschränkt wird.

Fazit

Möchte sich der Hund nicht anziehen lassen, macht es immer Sinn die Hintergründe zu beleuchten und vielleicht die Ausrüstung zu überdenken. Wir wollen ja auch nicht unpassendem Schuhwerk durch die Welt spazieren, wo schon nach 5min die Füße taub werden.

Und falls du einmal über sogenannte Anti-Zug Geschirre stolperst, kannst du sie gleich ihrer optimalen Verwendung zuführen. Sie dienen, genau wie Moxonleinen, Ketten, Anti-Bell/Erziehungs-Halsbänder und Würgehalsbänder (Zug ohne Stopp) nur der Befüllung der Mülltonne.

Bist du dir nicht sicher, woran es liegt oder möchtest du gerne die passende Ausrüstung für deinen Hund finden. Kannst du dir gerne hier ein Beratungsgespräch ausmachen.

Viel Spaß mit dem passenden Geschirr

 

Möchtest du über weitere Blogartikel und Termine informiert werden?

Dann klick hier