Desensibilisieren vs Gegenkonditionieren

Diese beiden Begriffe hört man zwar super oft, aber was wirklich dahinter steckt ist oft eher missverständlich.

Vorweg… beide Techniken sind wirklich toll, wenn sie möglichst fehlerfrei angewandt werden. Sie können allerdings auch sehr schnell, sehr viel kaputt machen.

Deshalb gehören sie in Profihände.

Aber was ist jetzt eigentlich was?

Desensibilisieren

Hier geht es darum, etwas für den Hund irrelevant zu machen.

Du kennst das vielleicht. Wenn man neben der Autobahn wohnt, nimmt man die Motorengeräusche innerhalb kürzester Zeit nicht mehr wahr. Sie sind irrelevant, denn sie betreffen uns nicht. Wir wurden desensibilisiert.

Für den Hund macht das bei einigen Alltagsgeräuschen Sinn (zB Nachbarn, Fußweg vor der Haustür, Autos, Türklingel, Silvester) und oft geht das auch ganz von selbst.

Macht ein Geräusch dagegen Angst, ist die Desensibilisierung schief gegangen.

Auch Berührungen können bei Angsthunden aus diesem Grund nicht desensibilisiert werden. Abgesehen davon, dass wir ja nicht wollen, dass unser Hund eine Berührung als irrelevant wahrnimmt.

Ein Geschirr dagegen, oder auch ein Maulkorb soll dagegen tatsächlich völlig normal sein und dem Hund nicht weiter auffallen.

Deshalb ist im Training so wichtig, beim Training nach dem positiven Aufbau schnell gut sitzende Übungen durchzuspielen, sodass der Hund quasi vergisst, was er da an hat.

Der letzte Teil ist wieder die Desensibilisierung.

Gar nicht so einfach, gel 😉

Was ist jetzt aber mit der Gegenkonditionierung?

Bei der Gegenkonditionierung ist etwas bereits mit einer negativen Emotion verknüpft und wir wollen eine positive daraus machen.

Löst zB ein fremder Mann, der näher kommt, bei deinem Hund Unsicherheit aus, können wir mit Techniken wie Click für Blick daran etwas ändern.

Der Hund lernt dabei, dass so ein fremder Mann ab sofort ganz tolle Dinge ankündigt (zB super Keksi von Mami).

Du hast sicher schon gemerkt, dass diese Art des Trainings total oft am Anfang vom Begegnungstraining stattfindet. Manchmal wird das auch als „Schönfüttern“ bezeichnet… ein Begriff, der fast ein bisschen die super Wirkung schmälert.

Warum sind beide Techniken denn so schwierig, klingt doch ganz einfach?

Die Kunst bei beiden Methoden liegt darin, das Timing, die Intensität und die Distanz so zu wählen, dass der Hund nie in die negative Emotion oder das unerwünschte Verhalten verfällt.

Er fürchtet sich also nie, wenn ein Geräusch ertönt, auf das desensibilisiert werden soll.

Er rastet nicht mehr aus, wenn der fremde Mann näher kommt.

Er bellt den anderen Hund nicht mehr an.

Das schaffen wir nur, indem wir die Situationen so wählen oder verändern, dass eine große Distanz, ein sehr leises Geräusch oder eventuell eine Beschäftigung möglich sind.

Schaffen wir das nämlich nicht, geht das Training schnell nach hinten los und unser Hund reagiert schneller, heftiger oder öfter.

Deshalb lieber auf Nummer sicher und (im Zweifel) immer mit Unterstützung vom Profi 😉

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