Ich gebs zu, das Leben mit Angsthund ist oft anstrengend, frustrierend und sehr emotional. Doch diese Emotionen sind nicht immer negativ. Die kleinsten Erfolge werden gefeiert wie Geburtstag und Weihnachten (ja ich liebe diese Tage) zusammen und wir fühlen uns wie nach einem Weltrekord, wenn der Hund zum ersten Mal nach Aufmerksamkeit oder gar Streicheleinheiten verlangt.

Doch ein Gefühl muss wirklich schrecklich sein und ich wünsche es niemanden: die Panik, wenn der Hund in seiner Angst wegläuft.

Leider passiert das öfter als man denkt und nicht selten in den ersten Tagen nach der Ankunft eines Tierschutzhundes.

Ob hier die Vorsicht der Halter nicht ausreichend war oder der Verein nicht aufgeklärt hat sei dahingestellt. Es hat auch keinen Sinn Vorwürfe zu verteilen.

Um das allerdings zu verhindern, möchte ich dir in diesem Beitrag die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände vorstellen, die ein Angsthund in seiner (Anfangs-)Zeit in unserer Gesellschaft benötigt.

Um ehrlich zu sein, handelt es sich dabei um die Standardausrüstung vieler Hundehaushalten, wenn auch teilweise in abgewandelter Form.

Beim Angsthund sind wir allerdings auf Details angewiesen.

Starten wir mit dem wichtigsten Equipteil, das eigentlich schon mit dem Hund „geliefert“ werden sollte.

Das Sicherheitsgeschirr

Ein Sicherheitsgeschirr ist ein normales Y-Geschirr mit einem zusätzlichen Bauchgurt. Dieser verhindert, dass der Hund sich irgendwie aus dem Geschirr befreien kann.

Viele Hunde legen nämlich bei Angst den Rückwärtsgang ein und ziehen sich so ein normales Geschirr (vor allem, wenn es locker sitzt) blitzschnell über den Kopf. Wir können dann garnicht so schnell reagieren und der Hund steht ohne Sicherung da.

Wichtig bei dem Geschirr ist, dass es dem Hund wirklich gut passt.

Es soll nicht verrutschen, weder seitlich noch vor und zurück. Es darf nicht scheuern oder zwicken, sollte also weich gepolstert sein und die Riemen hinter den Ellenbögen brauchen ausreichend Platz.

Die Kreuzung des Y an der Brust (bzw der Ring) soll auf dem Brustbein liegen. Das kannst du gut erfühlen, falls sich dein Hund anfassen lässt.

Der wichtigste Punkt und gleichzeitig häufigste Fehler ist jedoch:

Der 2. Bauchriemen muss auf den Rippen, nicht dahinter liegen.

Ist das nicht der Fall, quetscht er bei Zug auf die Leine, die Bauchorgane und verursacht Schmerzen oder gar Verletzungen. So kann sich kein Hund freudig und entspannt an seinen neuen Alltag gewöhnen.

Da im Tierschutz das Geld immer knapp ist, kann es sein, dass das erste Geschirr, mit dem dein Hund ankommt, nicht optimal sitzt. Ist das der Fall, kannst du in der ersten Zeit doppelt sichern (Halsband und Geschirr). Ist dein Hund dann so weit, dass er sich mithilfe eines Kooperationssignals ausmessen lässt, kannst du ein Maßgeschirr bestellen.

Keine Sorge, es ist nicht teurer als ein gutes Geschirr von der Stange.

Sicherheitsgeschirr nach Maß

Genauso wichtig wie das Geschirr ist beim Angsthund die richtige Leine.

An dieser Stelle muss ich mich bei allen Flexi-Liebhabern entschuldigen. Die Zeiten sind vorbei. Ein Angsthund darf NIEMALS an einer Flexi (Ausziehleine) geführt werden.

Die ist nämlich immer auf Zug, was nicht besonders angenehm und für viele Hunde anfangs überfordernd wirkt.

Der Hauptgrund ist jedoch, dass der Griff wahnsinnigen Lärm macht, wenn er runter fällt und wenn du dir einen Angsthund vorstellst, dessen Panik immer größer wird, weil ihn ein schepperndes Monster verfolgt, weißt du warum mir das so wichtig ist.

 

Willst du also mit deinem Hund raus gehen eignet sich eine Schleppleine mit ausreichend Radius um deinem Hund genug Abstand geben zu können. Braucht dein Hund die Nähe zu dir, kannst du natürlich auch eine Führleine nehmen.

Optimal ist hierbei ebenfalls, dass keine Metallteile dran sind, sie nicht zu schwer ist (Karabinergröße dem Hund angepasst) und dir angenehm in der Hand liegt. Achte auch darauf, dass es bei großen Hunden passieren kann, dass dir die Leine durch die Hand gezogen wird. Sie sollte also nicht wetzen. Im Zweifel helfen dünne Handschuhe.

 

Meistens jedoch starten wir Zuhause, weil der Hund noch garnicht rausgehen kann (max in den Garten).

Das bringt uns zum nächsten Equipment

 

Die Box

 

Viele Hunde mögen eine Box als Rückzugsort. Sollte dein Hund von sich aus versteckte Plätze aussuchen, kannst du ihm eine Box anbieten (eventuell kommt er auch schon mit einer).

Diese sollte an einem ruhigen Ort stehen, wo der Hund so integriert ist, wie ihm das gut tut. Durchgänge oder Zwischenräume, wo oft jemand vorbei geht ist keine optimale Stelle. Das gilt übrigens auch für Ruhezonen ohne Box.

Bitte mach die Box nicht zu. Hat sie eine Klapptür (bei Transportboxen), kannst du sie aushängen, dass sie nicht versehentlich zufällt.

Manche Hunde mögen zusätzlich eine Decke über der Box. Achte hierbei allerdings darauf, dass es nicht zu warm und stickig wird.

Kannst du dich noch nicht für einen optimalen Standort entscheiden, probier es gerne aus. Stell die Box an eine Stelle und warte, was passiert. Geht dein Hund nicht mal annähernd hin, schau, wo er sich von sich aus hinlegt. Vielleicht passt ja dort die box hin 😉

 

Und ein letzter super wichtiger Punkt bleibt noch.

Vielleicht möchtest du jetzt genervt aufhören zu lesen. Doch es ist ein sehr wichtiger Punkt, der auch einen riesen Vorteil für deinen Hund bringt.

 

Der Maulkorb

 

Versteckt sich dien Hund nur unter dem Bett, ist natürlich ein Maulkorb noch keine Option. Hast du aber bereits einen Zugang zu ihm gefunden und möchtest mit ihm ein bisschen Training machen, warum nicht gleich etwas, das in jedem Hundeleben hilfreich werden kann.

 

Ein Maulkorb bietet Sicherheit. Sowohl dem Hund als auch Menschen, die mit dem Hund in Kontakt kommen. Vielleicht denkst du jetzt, mein Hund beiß nicht.

Doch wie sieht es aus, wenn der Tierarzt eine schmerzhafte Behandlung durchführen muss?

Wir dürfen nicht vergessen, dass auch Aggression etwas Natürliches ist und oft der letzte Ausweg eines Hundes, der durch Flucht und drohen keinen Erfolg hatte.

 

Außerdem bietet der Maulkorb den entscheidenden Vorteil, dass er abschreckend auf Passanten wirkt. So bekommt dein Hund schnell und einfach mehr Abstand um sich wohl zu fühlen.

Wichtig ist beim Training, dass der Maulkorb als etwas Tolles präsentiert wird, mit dem man super viel Spaß haben kann. Hier kommt es oft auch auf deine Einstellung zu dem Ding an 😉

 

Auch beim Maulkorb ist es super wichtig, dass er richtig sitzt.

Er sollte nicht zu sehr verrutschen, beim Schnüffeln nicht in die Augen drücken und ausreichend Platz zum Hecheln bzw Gähnen bieten.

Möchtest du dazu eine genaue Anleitung haben, klick hier.

 

Und zu guter Letzt, möchte ich noch die kleinen Altlagshelfer erwähnen. Da Schlecken oft beruhigend wirkt, sind Lickymat, Kong, Schnüffelteppich oä eine super Möglichkeit, deinem Angsthund ein bisschen etwas zu bieten.

Auch Kauartikel sind möglich.

Wichtig dabei ist, dass dein Hund damit entspannen kann.

 

Hättest du gerne Unterstützung um die richtige Passform auszuwählen oder das Training zu gestalten?

Dann schreib mir 🙂

Ich freue mich auf euch