angsthund

Immer wieder werden wir als Hundehalter in der einen oder anderen Form mit dem Thema Geräusche konfrontiert. Spätestens, wenn Silvester naht, quillen die Foren und FB Gruppen über mit verzweifelten Hundehaltern, die nach Ratschlägen oder Notfalltipps suchen.

Leider ist dann meist kleinschrittiges Training zeitlich nicht mehr machbar und man muss auf Notfallmaßnahmen zurückgreifen.

Geht es tatsächlich nur um dieses eine Event im Jahr, ist dies auch gut möglich. Denn wir haben ja sehr gute Möglichkeiten unseren gestressten Hunden durch so eine Horrornacht zu helfen.

Hier eine kleine Auswahl

  • Homöopathika: hier gibt es reichlich Mittel, von Bachblüten bis zu sanften Beruhigungsmitteln (wobei auch die sehr potent sein können)
  • Thundershirt: der Hund bekommt ein Gefühl der Geborgenheit, weil er durch den eng anliegenden Stoff den eigenen Körper besser spürt
  • Medikamente: Angstlöser, welche aber nur vom Tierarzt verschrieben werden dürfen. Vorsicht vor Medikamenten, die nur die Muskulatur entspannen. Damit wird der Hund zwar optisch ruhig, empfindet aber dieselben Ängste und kann sich nicht einmal mehr verstecken… absoluter Wahnsinn
  • Alkohol: das absolut letzte Mittel, wenn garnichts mehr hilft, kann eine winzige Menge Eierlikör oder Bier sein. Der Alkohol wirkt enthemmend (wie bei uns) und lindert dadurch die Angst. Da er aber hoch toxisch ist, sollte das wirklich nur im allerletzten Notfall erwogen werden.
  • Reize überdecken/aussperren: bekannte Hintergrundgeräusche und ein abgedunkeltes Zimmer können manchen Hunden gut helfen. Leider können nicht alle Faktoren so gedämpft werden (Schwefelgeruch an Silvester, Statik und Magnetfeld bei Gewitter).
  • Social Support: dazu später mehr

Ursachen

Doch warum haben so viele Hunde Angst vor Geräuschen?

Angst im Allgemeinen ist ja etwas sehr wichtiges für jedes Lebewesen. Sie sorgt dafür, dass man eine gewisse Vorsicht walten lässt (zB bei unbekannten oder potentiell gefährlichen Dingen). Außerdem aktiviert sie in Notsituationen den Fluchtinstinkt, der ja Leben rettet.

Nur passiert es leider immer wieder, dass dieses lebensrettende System etwas zu sensibel wird, oder in unpassenden Situationen reagiert.

Es ist also ganz normal, dass ein Hund erschrickt, wenn ein Topf neben ihm runter fällt. Auch die Gewitterangst ist oft angeboren bzw zu einem gewissen Teil.

Forscher haben herausgefunden, dass Hunde im Auge ein Molekül besitzen, das ihnen ermöglicht Magnetfelder zu sehen. Davor wusste man von dieser Fähigkeit nur bei Vögeln. Das ist auch ein Grund, warum Hunde schon viel früher wissen, wenn ein Gewitter aufzieht.

Es braucht also, wie du siehst, nicht immer schlechte Erfahrungen um Ängste zu erzeugen.

Allerdings ist genau das ebenfalls oft ein Grund. So kann zB ein schlafender Hund plötzlich durch einen Staubsauger geweckt werden (vielleicht kannte er das im vorigen Zuhause nicht) und erschrickt furchtbar. Dieser Hund könnte sich ab diesem Zeitpunkt vor dem Staubsauger fürchten.

Es kann auch passieren, dass Geräusche als Auslöser unangenehmer Dinge verknüpft werden. So kann ein Hund mit Trennungsangst das klimpern des Hausschlüssels als Ankündigung des Alleinseins verknüpfen und dadurch vor dem Geräusch Furcht zeigen.

Und natürlich darf man fehlende Erfahrung nie außer Acht lassen. Wie schon erwähnt, ist die Angst vor Unbekanntem ein wichtiger Überlebensmechanismus.

Je nach Hund (hier beeinflussen von früher Welpenzeit über Erfahrungen bis zum Gesundheitszustand viele Dinge) kann eine schnelle Gewöhnung an neue Geräusche stattfinden, oder der Hund empfindet jeden neuen Reiz als etwas ganz furchtbares.

Hilfe

Besonders bei letzteren wäre eine genaue medizinische Abklärung eventuell auch mit Verhaltenstierarzt sinnvoll, denn solche Hunde brauchen oft eine etwas intensivere Unterstützung (zB Medikamente) oder haben ein gesundheitliches Problem.

Dabei darf man nicht vergessen, dass bei allgemeiner Geräuschangst auch schwindende Sinne in Betracht kommen. Daher ist ein Besuch beim Tierarzt ein guter erster Weg.

So verschieden sich Geräuschangst äußern kann, gibt es aber bestimmte Möglichkeiten, die jedem Hund helfen.

  • Selbstbewusstsein verbessern
  • Körpergefühl verbessern
  • Social Support
  • Entspannungstraining

Social Support

Da war er wieder, der Social Support. Doch was ist das eigentlich?

Eigentlich bedeutet es nichts anderes, als für den anderen da zu sein, ihn in seiner Angst nicht allein zu lassen.

Früher wurde oft empfohlen, den Hund zu ignorieren, denn dann hört er mit dem unerwünschten Verhalten auf. Doch dazu müsste er sich ja bewusst entscheiden, Angst zu haben…

Macht keinen Sinn oder?

Stattdessen hilft es selbst entspannt beim Hund zu sein, ihn nicht in die Situation zu zwingen, zu streicheln, wenn er das möchte und eventuell etwas vorlesen oder -singen.

Wichtig dabei ist, dass du selbst nicht aufgeregt oder ängstlich bist, denn damit kannst du die Angst deines Hundes verstärken.

Manchen Hunden hilft es auch, ein wenig zu tricksen oder ähnliche Übungen zu machen. Natürlich sollten das keine hochkomplexen, unbekannten Sachen sein. Aber solange das Hirn mit denken beschäftigt ist, kann es nicht komplett in der Angst versinken.

Fürchtet sich dein Hund also vor einem unbekannten Geräusch, kannst du kurz mit ihm sprechen, ihm einen Lieblingstrick anbieten und dann ausführlich loben.

Ist das Geräusch mit einem Gegenstand verbunden, kann es auch helfen, wenn du als Bezugsperson den Gegenstand ausgiebig untersuchst (ruhig übertrieben). Dabei solltest du aber genau auf deinen Hund achten, denn manche Hunde haben damit mehr Stress.

Dont’s

Zum Schluss ein paar Dinge, die du auf keinen Fall mit deinem Hund machen solltest, wenn er sich fürchtet.

  • In die Situation zwingen
  • Verstecke verbauen
  • Angst bestrafen

Wie du siehst, machen Sätze wie „da muss er durch“ absolut keinen Sinn. Der Hund würde dabei nicht etwa lernen, besser mit seiner Angst klar zu kommen. Stattdessen gäbe es einen tiefen Einschnitt in das Vertrauensverhältnis zwischen dir und deinem Hund.

Das willst du ja nicht 😉

In diesem Sinne, gehe ruhig nach dem Motto „Trösten ist erlaubt“

 

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