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Hund aus dem Tierschutz

Vielleicht weißt du, dass alle meine Tiere aus dem Tierschutz stammen. Falls nicht, ist es jetzt so 😉

Und auch wenn ich niemals zu einem Züchter gehen möchte, sind mir über die Jahre und Adoptionen doch sehr gruselige Dinge passiert.

Das ist mitunter ein Grund, warum ich meinen eigenen Tierschutzverein „Molosserhilfe“ gegründet habe und jetzt diesen Artikel schreibe. Ich möchte dir gerne ein paar meiner Erfahrungen mitgeben, nicht zuletzt um sie dir zu ersparen.

Aber fangen wir von vorne an.

 

Gründe für ein Tier aus dem Tierschutz

 

Tatsächlich verstehe ich die Argumente für einen Hund (hier stellvertretend für andere Tiere) vom Züchter durchaus. Ein „guter“ Züchter gibt den Welpen einen optimalen Start ins Leben, nutzt die sensible Phase in den ersten Wochen für Sozialisierung ohne Überforderung, gibt den Kleinen ein liebevolles Umfeld und gutes Futter.

Und es sind nicht die vielen miesen Züchter, wo das nicht passiert, sondern die Welpen im Zwinger hocken, Trockenfutter fressen, nichts kennenlernen und die Mutter völlig überfordert ist, die mich abschrecken.

Es ist der Akt der Zucht.

 

Da ich schon lange im Tierschutz arbeite und mich damit befasse, sehe ich die Schicksale der Tiere. Ich sehe, wie alte Hunde im Tierheim landen, weil sie nicht mehr funktionieren oder die Familie verstorben ist. Ich sehe, wie Welpen in Müllsäcken weggeworfen werden und dann im Zwinger aufwachsen, weil sie kein Zuhause finden. Ich sehe, wie Hunde wegen kleinen Problemchen, der Fellfarbe, der Rasse, der Behinderung oder sonstigem Makel kein Zuhause finden und im Tierheim sterben. Ich sehe, wie im Ausland Hund in Massen getötet werden, weil es einfach zu viele gibt. Ich sehe, wie die Stationen dort Geld für jeden Hund bekommen, wodurch die Zwinger so voll sind, dass die Hunde sich nicht einmal umdrehen können, ohne einen Artgenossen zu treffen. Sie vegetieren dort dahin, ohne Futter (denn dafür wird kein Geld ausgegeben) und verenden qualvoll an Hunger oder Krankheit.

 

Auch, wenn hier sehr engagierte Pfleger und Pflegestellen ihr Bestes geben, diesen Hunden ein halbwegs schönes Leben unter den gegebenen Umständen zu ermöglichen, ist es kein Vergleich mit einem Liebevollen Zuhause.

 

Für mich wird all das immer über dem Wunsch nach einer bestimmten Rasse stehen. Es gibt sehr viele, sogar reinrassige Hunde im Tierschutz, aber wenn das wichtiger ist, als das Individuum, finde ich das mehr als bedenklich.

 

Dann bleibt noch das Argument, eine bedrohte Rasse (oder im Zoo die Art) zu erhalten. Doch warum eigentlich? Es hat einen Grund, warum diese Rasse natürlich verschwinden würde. Und wenn es besonders wenige Vertreter einer Rasse gibt, ist auch der Genpool für die Zucht sehr gering, was Erbkrankheiten wieder begünstigt.

Dazu braucht man sich nur mal ein bisschen einlesen. Es findet sich kaum eine Rasse ohne genetisch disponierte Krankheiten (so genannte Erbkrankheiten). Natürlich treten diese Krankheiten auch bei Tierschutzhunden und Mischlingen auf, aber mit denen wird kein Geld verdient.

 

Manchmal aber doch

 

Und da beginnt der erste Punkt im Tierschutz.

Er ist „non-profit“ also es wird kein Geld verdient. Ja, es gibt eine Schutzgebühr bei der Adoption, diese dient aber eher dazu ein wenig der Kosten zu decken und Menschen abzuschrecken, die Hunde hier einsammeln und dann verkaufen.

Die Schutzgebühr deckt aber keinesfalls die gesamten entstandenen Kosten. Dazu braucht man sich nur einmal überlegen, wieviel Impfungen, Kastration und Futter kosten. Ja im Ausland sind diese Behandlungen günstiger, aber die wenigsten Organisationen betreuen ausschließlich gesunde Welpen, die innerhalb weniger Tage vermittelt werden (dann wären die Kosten geringer).

Meist werden die Hunde in eher schlechtem Zustand aufgelesen oder übernommen und müssen erst einmal wieder „repariert“ werden. Das bedeutet kostspielige Behandlungen, eventuell Operationen, Aufbaunahrung usw.

Dann verbringen die Hunde eine gewisse Zeit in einer Auffangstation, Pflegestelle, Tierheim oä wo wieder Futterkosten, Erhaltungskosten (Gebäude), Miete und andere laufende Kosten, Tierarztkosten usw entstehen.

Du bekommst vermutlich schon ein Bild.

 

Es gibt aber leider Organisationen die Welpen vom Vermehrer im Ausland kaufen um sie dann hier teurer zu verkaufen, ohne selbst Kosten zu haben. Diese Vereine sind leider genauso schwarze Schafe, wie es sie überall anders auch gibt.

 

Einen guten Verein erkennen

 

Das wichtigste bei der Auswahl eines Tierschutzhundes ist, einen vertrauenswürdigen Verein zu erkennen. In Österreich gibt es mittlerweile übertriebene Vorschriften, die ein Verein erfüllen muss, um vermitteln zu dürfen. Diese können aber ein erster Ansatzpunkt sein. Du kannst also schauen, ob der Verein eine Betriebsstätte hat. Ist das der Fall, wird er regelmäßig vom Amtstierarzt kontrolliert, muss eine genaue Dokumentation über jedes Tier, Hygiene, Tierarzttermine usw führen und jedes Tier für eine gewisse Zeit in Quarantäne unterbringen, bis der Vereinstierarzt das OK zur Vermittlung gibt.

Das ist jetzt nur eine kurze Umschreibung, damit du eine Idee bekommst, was hier dahinter steht.

 

Natürlich gibt es auch hier wieder riesen Unterschiede bei den Amtstierärzten, wobei manche genauer sind, manche weniger und manche einfach auch möglichst viele Vereine daran hindern wollen, zu vermitteln (du siehst schon, wieder gibt es schwarze Schafe).

 

Der nächste Blick sollte den Beschreibungen der Hunde gelten. Ist hier von Korrektur, Dominanz, Rangordnung die Rede, ist leider wenig Wissen vorhanden. Das wirkt sich dann auf den Umgang mit den einzelnen Hunden und auch die Auswahl der neuen Halter aus. So wurde ich zB einmal als ungeeignet für einen Rottweiler (WELPEN) befunden, weil ich einen Junghund nicht fürs Raufspringen schlagen wollte. Um dir also seelischen Schmerz, Zeit und ein vergebenes Herz zu ersparen kannst du hier die Finger davon lassen. Möchtest du es doch versuchen, ist eine feinfühlige Gesprächsführung sehr hilfreich 😉

 

Dann gilt die Aufmerksamkeit dem Vermittlungsablauf. Folgende Punkte sollte ein guter Verein unbedingt einhalten.

  • „Problemhunde“ dürfen vor der Adoption mehrfach kenne gelernt werden, sofern möglich
  • Probleme, Besonderheiten, Charaktereigenschaften werden ehrlich kommuniziert
  • Es gibt eine Vorkontrolle
  • Es gibt einen Fragebogen (Alltag, Arbeit, Wohnumgebung, Tabuzonen, Trainingsmethode, Erfahrung, Personen im Haushalt, Kinder, andere Tiere,…)
  • Es gibt eine Schutzgebühr
  • Es gibt einen Schutzvertrag
  • Es gibt eine Nachkontrolle
  • Es gibt Adressen und Kontakte für Training, eventuell Grooming und Betreuung

 

Du siehst, Tierschutz ist aufwändig für beide Seiten, doch nur so kann die Sicherheit des Hundes und der Adoptanten gewährleistet sein.

 

Der Schutzvertrag

 

Im Gegensatz zum Züchter (Kaufvertrag) gibt es im Tierschutz einen Schutzvertrag. Hierbei geht das Eigentum nicht auf den neuen Halter über. Du wirst also Halter aber nicht Eigentümer.

Dadurch können Auflagen im Vertrag festgehalten werden, die die Haltungsbedingungen, Umgang usw festlegen und auch bestimmen, wann und ob der Hund wieder abgenommen werden darf.

Ein Muster so eines Schutzvertrages kannst du gerne von mir bekommen, wenn du da mal genauer reinlesen magst.

 

Trainer und Co

 

Für mich hat Tierschutz wenig Sinn, wenn der Hund zwar irgendwo aufgesammelt wird, dann aber irgendwelche gruseligen Trainingsmethoden über sich ergehen lassen muss, weil kein Wissen vorhanden ist.

Tierschutz beginnt für mich immer beim eigenen Tier. „Rettet“ also jemand unzählige Hunde um sie zu vermitteln, aber der eigene Hund wird fürs Bellen mit der Wasserflasche traktiert, widerspricht sich das.

Es ist also auf belohnungsbasiertes, gewaltfreies Training zu achten und die Adoptanten auch darüber zu Informieren und danach auszuwählen.

 

Retten um jeden Preis?

 

Ich möchte noch kurz darauf eingehen, welche Hunde eigentlich gerettet werden sollten. Es gibt nämlich durchaus jene, die das Leben als Straßenhund durchaus genießen und nicht etwas darunter leiden.

Hier ist also immer wichtig abzuwägen, ob es dem einzelnen Tier schlecht geht, oder nicht. Klar, wenn eine weitreichende „Säuberungsaktion“ der Stadt angekündigt ist, muss gehandelt werden. Aber wenn eine Hundegruppe gut genährt durch die Gegend streunt, niemanden stört und sich ihres Lebens erfreut, wäre es fatal sie einzufangen und zu vermitteln. Diese Hunde sind verwildert. Sie kennen entweder keinen oder schlechten Kontakt zu Menschen und werden nie so sein wie der Welpe, der in unserer Gesellschaft aufwächst.

 

Der Problemhund

 

Da wären wir auch schon beim Thema. Jeder Hund ist ein Individuum mit Eigenheiten und einem wundervollen Charakter. Jedoch sind manche dieser Eigenheiten für uns Menschen ein Problem. Wir wollen zB nicht, dass unser Hund abhaut um einen Hasen zu erbeuten oder in der Wohnung ständig bellt.

 

Es ist hier also die Frage, welche Verhaltensweisen sind trainierbar, wie muss die Wohnsituation sein um ein Training zu ermöglichen und wie kann der Alltag mit diesem Hund aussehen.

 

Ein paar Beispiele:

  • Der Angsthund: ein Angsthund oder sehr unsicherer Hund sollte niemals in die Stadt oder zu einem turbulenten Haushalt vermittelt werden. Ob Kinder, Männer, Frauen, Hunde, Senioren oder was auch immer im Haushalt möglich sind, entscheidet sich im Einzelfall
  • Bellen: ein bellfreudiger Hund ist in einer Wohnhausanlage eher fehl am Platz
  • Alleine bleiben: kann der Hund nicht alleine bleiben (abgesehen von dem üblichen Üben am Anfang), ich ein pensionierter Halter oder jemand, der ihn in die Arbeit mitnimmt optimal.
  • Verträglichkeit: leben bereits Haustiere oder Kinder im Haushalt, sollte der Wunschhund zumindest allgemein getestet werden, oder besser vorher kennen gelernt werden können.

 

Du siehst also, verantwortungsvolle Vermittlung ist sehr aufwändig für den Verein und er ist auf Ehrlichkeit angewiesen. Es hat keinen Sinn, die Wahrheit zu strecken und dann muss man den Hund wieder hergeben, weil es einfach nicht klappt. Sei also nicht traurig, wenn du hörst, ein Hund eignet sich für deinen Lebensstil nicht. Du wirst den passenden finden.

 

Anders jedoch sehe ich es, wenn ein Verein Adoptanten ablehnt, nur weil sie keine Erfahrung (teilweise sogar mit einer bestimmten Rasse) haben oder vollzeit arbeiten.

Die Erfahrung kann ein guter Trainer kompensieren. Ich würde also auch einen Problemhund in Anfängerhände geben, sofern sie einen TSD-konformen Trainer zur Seite haben (hier gibt’s die Kontakte von mir) und sich der Herausforderung bewusst sind.

Und wer vollzeit arbeitet, kann durchaus einen Hund aufnehmen, wenn eine Betreuung möglich ist. Immerhin muss ein Hund ja auch finanziert werden können.

 

Fazit

 

Tierschutz ist manchmal herausfordernd, manchmal bekommt man als Adoptant und als Verein nicht, was man möchte aber es sollte verantwortungsvoll und ehrlich miteinander umgegangen werden. Immerhin entscheiden wir hier über das Leben einer ganzen Familie.

 

Und wenn du da Fragen hast, oder Unterstützung bei der Suche brauchst, kannst du mir gerne schreiben. Das gilt natürlich auch für Vereine 😉