Hundetraining

Klingelingeling, die Post ist da!

Für viele Hunde(-halter) der blanke Horror. Und das nicht etwa, weil der nette Mann/die nette Frau in Gelb immer nur Rechnungen bringt.

Hund und Postbote haben schon fast Sagencharakter. Doch wieviel davon stimmt wirklich? Was steckt dahinter? Und wie geht man damit um?

Diesen Fragen widmen wir uns in diesem Artikel.

Gründe und Variationen – Was und warum?

Es stimmt tatsächlich! Der Briefträger ist für viele Hunde der Anlass, so richtig „abzugehen“.

Die Intensität der Reaktion, wenn der Postbote kommt, variiert sehr stark. Dies ist abhängig vom Charakter, eventuellen (Rasse-)Eigenschaften und auch der Vorgeschichte des Hundes.

So könnte die Reaktion eines souveränen Staffis vielleicht ein kurzer Blick zu seinen Menschen sein oder ein kleines Wuffen. Vielleicht würde er auch zu dem Fremden am Zaun hinlaufen und bellen. Die Motivation dahinter könnte sogar Freude sein, weil er Menschen toll findet.

Dagegen würde ein unsicherer Shar-Pei, der Menschen im Allgemeinen nicht sehr berauschend findet und schon für Bellen bestraft wurde, eventuell sogar so heftig reagieren, dass ihm seine Menschen blanken Hass unterstellen.

Die Motivation dieser beiden Hunde ist also völlig unterschiedlich und auch die Ursachen liegen weit voneinander entfernt.

Ganz generell kann man viele verschiedene Aspekte erkennen, die das Verhalten gegenüber dem Postboten intensivieren.

  • Wenig Selbstbewusstsein, Unsicherheit
  • Territorialverhalten
  • Unverträglichkeit gegenüber Menschen
  • Strafbasiertes Training
  • Fehlende oder übermäßige Unterstützung der Menschen
  • Usw

Diese Punkte verschlimmern meist das Verhalten.

Die Ursache jedoch ist bei jedem Hund gleich. Das Verhalten des Postboten.

Aus Hundesicht

Jeden Tag um dieselbe Zeit kommt so ein komisch leuchtender Mensch (wenn ihn der Hund sehen kann; handelt es sich um eine Wohnung, sieht der Hund nicht und es wirken gruselige Geräusche), der an der Tür manipuliert.

Das ist für Menschen ungewöhnlich, also  potentiell bedrohlich. Der wird besser mal vertrieben.

Also rennt der Hund zum Zaun/zur Tür, bellt, knurrt, springt dagegen oder was immer ihm einfällt.

Und was macht der Postbote? Er geht weg!

Das Verhalten des Hundes hat also genau den gewünschten Effekt gezeigt. Demnach wird er es in Zukunft häufiger zeigen.

Verschlimmerung

Was passiert jetzt aber, wenn der Postbote plötzlich nicht sofort verschwindet (weil er ein Paket überreichen möchte, noch etwas sucht oä)?

Der Hund zeigt das Verhalten, das bisher den Eindringling vertrieben hat. Das funktioniert nun aber nicht mehr, also probiert er mit etwas mehr Nachdruck, doch zum Erfolg zu kommen. Das Verhalten wird also schlimmer.

Du kannst dir das so vorstellen: du möchtest deinen Fernseher mit der Fernbedienung anschalten (das hat bisher immer funktioniert). Doch es klappt wider Erwarten nicht. Du wirst erst einmal fester auf den Knopf drücken, die Fernbedienung vielleicht schütteln, bevor du die Batterie überprüfst.

Dein Verhalten wird also erst einmal intensiver, bevor du etwas anderes versuchst.

So funktioniert das auch beim Hund. Deshalb ist es auch oft so schwer ein Verhalten durch ignorieren weg zu bekommen.

Das kannst du tun

Schreib dir genau auf, wann dein Briefträger immer kommt und wann dein Hund reagiert. Manche Hunde nehmen die Türglocke als Anlass, andere erkennen schon das Auto und wieder andere reagieren auf das Klappern des Briefkastens oder Geräusche an der Tür.

In der Zeit, wo du diese Beobachtungen aufschreibst (kann gern ein paar Tage sein, um sicher zu gehen), kannst du bereits ein Markersignal und einen Rückruf trainieren. Diese Übungen solltest du aber nicht ausgerechnet dann machen, wenn der Postbote kommt, sondern wenn gerade nichts los ist.

Du kannst auch probieren, ob es deinem Hund hilft, wenn du ebenfalls zur Tür gehst und „nachschaust“.

Außerdem ist es immer eine gute Idee, das Selbstbewusstsein deines Hundes ein wenig auf zu peppen 😉

Hast du einen Garten, wäre ein guter erster Schritt, deinen Hund im Haus zu lassen, wenn der Postbote kommt. Bei einer Wohnung kannst du eventuell die Tür zum Vorzimmer schließen oder ähnliches.

Möchtest du nun gezielt am Verhalten arbeiten, kannst du damit beginnen, noch ruhiges Verhalten zu markern. Das wird meist sein, bevor der eigentliche Auslöser kommt.

Zusätzlich kannst du mit deinem Hund einen Trick einüben, den er zeigen kann und der nicht gleichzeitig mit dem unerwünschten Verhalten funktioniert. Beispielsweise ist ein Nasentarget schwer zu halten, wenn man bellt.

Hilft es deinem Hund, wenn du nachsiehst, kannst du ihm auch beibringen dich durch dieses Alternativverhalten dazu zu bringen. Also er hört/sieht den Briefträger, kommt zu dir und stupst dich an (als Beispiel), daraufhin stehst du auf, gehst zur Tür schauen und sicherst quasi die Lage. Du darfst natürlich mit deinem Hund sprechen!

Und falls dein Hund doch einmal wieder in alte Gewohnheiten rutscht, hast du ja deinen Rückruf parat. Das sollte aber nur noch sehr selten notwendig sein, denn so ein bisschen belohnst du damit auch das unerwünschte Verhalten mit.

Für den Notfall eignet es sich aber dennoch gut.

Viel Spaß beim Üben

 

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