Was ist ein Angsthund

Wenn die Angst den Hund am Leben hindert, müssen wir dringend helfen.

Doch wann ist ein Hund überhaupt ein Angsthund?
Gibt es Unterschiede zwischen Angst und Unsicherheit?
Und was können wir dagegen tun?

 

Definition Angsthund

Ein Angsthund ist für mich ein Hund, der vor bestimmten Dingen oder generell in Angst lebt.

Du siehst schon, das ist ein sehr weiter begriff.

Fürchtet sich ein Hund zB nur vor den Geräuschen zu Silvester wird er von seinem Umfeld wahrscheinlich nicht als „Angsthund“ bezeichnet.

Dennoch ist die Lebensqualität für diesen Hund an diesem Tag (und je nach Intensität auch die Tage davor und danach) massiv eingeschränkt.

Lebt dieser Hund dann noch in einem Gebiet, wo auch 2 Monate vor Silvester und 1 Monat nach Silvester geschossen wird, wirkt sich diese Einschränkung auf 3 Monate im Jahr aus.

Das ist dann eben nicht mehr „nur“ Silvester.

 

Doch warum ist die Angst so einschränkend?

Die ursprüngliche Funktion der Angstreaktion war ja, einer Gefahr zu entgehen. Sie ist also lebensnotwendig.

Und weil sie so eine wichtige Funktion hat, ist der Effekt, den die Emotion auf den Körper hat, auch umso stärker. Etwa so, wie richtig stark wirksame Medikamente meist auch die stärksten Nebenwirkungen haben.

Die Angst hemmt also alle Funktionen, die der Körper gerade nicht braucht und macht ihn startklar für Höchstleistungen.

Es entsteht also ein Zustand höchster Anspannung und das Denken wird pausiert (klar, wer braucht schon über den nächsten Einkauf nachdenken, wenn der Axtmörder hinter einem her rennt).

Das Lebewesen befindet reagiert also nur noch.

Du merkst vielleicht an diesem Punkt, warum Training in diesem Moment nicht möglich ist (und der Hund auch nicht lernen kann, dass eh nichts passiert).

 

Stell dir mal vor, du lebst ständig in so einer massiven Anspannung.

Dieser extreme Stress ist für den Körper nicht lange durchzuhalten. Wir sehen chronischen Stress.

Beim Menschen kennen wir so einen chronischen Stress zB unter dem Begriff „Burnout“.

Der Körper kann einfach nicht mehr und geht immer mehr kaputt.

 

Um diese Reaktion des Körpers hervorzurufen braucht es dabei auch nicht völlige Panik.

Natürlich ist die Reaktion stärker, je größer die Angst ist, dennoch wird auch bei geringer Angst schon das Denken eingeschränkt und der Körper auf Überlebensmodus gestellt.

 

Angst oder Unsicherheit

Deshalb ist es auch egal, ob wir eine schwache Form der Angst als „Unsicherheit“ bezeichnen (genau genommen tun wir das nur, um uns selbst besser zu fühlen).

Es handelt sich immer noch um Angst.

Vielleicht warst du in einer Situation schon einmal unsicher…

Erinnere dich daran, wie sich das angefühlt hat.

Und daran, wie es dir danach ging.

Warst du unerwartet müde?

 

Wenn der Stress ablässt, signalisiert der Körper, dass er dringend Erholung braucht. Wir werden müde.

Das dient dazu, ein Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung zu schaffen und uns gesund zu erhalten.

 

Besteht die Situation also zu lange, oder gar dauerhaft, kann der Körper sich nicht regenerieren und wir sind wieder in einer gesundheitlich bedenklichen Lage.

 

Was können wir also tun?

Je nach Schwere der Angst und Häufigkeit, sind verschiedene Maßnahmen sinnvoll.

Ich nehme gerne frühzeitig einen Verhaltenstierarzt ins Boot um nach Bedarf eine Medikation festzulegen.

Vor allem Hunde, die in einem Zustand feststecken, indem sie nicht lernfähig sind, müssen da so schnell wie möglich raus.

Nur so können wir nachhaltig Trainieren.

Zudem kann die Angst auch organische Ursachen haben oder Probleme verursachen und da ist ein guter Arzt Gold wert.

 

Ist der Hund nicht Behandlungsbedürftig (zB weil der Auslöser gut dosierbar ist und den Hund im täglichen Leben nicht einschränkt), oder schon gut eingestellt, können wir mit Training starten.

 

Hierbei ist es wichtig, den Angstauslöser so zu dosieren, dass der Hund sich damit befassen kann, ohne wieder in die Angst zu verfallen.

Zudem braucht er Strategien um mit bestimmten Situationen umzugehen.

Wie das genau aussieht, hängt natürlich vom Hund, von der Situation und von den Auslösern ab.

 

Genauso wichtig ist auch, dass der Hund Pausen vom Auslöser hat.

Diese Pausen helfen der Regeneration und schaffen unser gesundes Gleichgewicht.

Wir verbauen dem Hund also keinesfalls seine Verstecke, wenn er sich vor Menschen fürchtet. Wir fassen ihn dort auch nicht an oder verlangen irgendetwas von ihm.

Wir lassen ihn eine Situation, in der er überfordert ist, verlassen (zB ein Geräusch löst draußen Panik aus, der Hund will weg, wir gehen dorthin, wo er sich wieder sicher fühlt).

 

Und wir helfen ihm in völlig unabhängigen Situationen ein gutes Selbstbewusstsein aufzubauen. Dazu brauchen wir kleine Problemchen, die der Hund selbstständig lösen kann.

Und wir können ihm die Kontrolle über potenziell gruselige Situationen geben (zB Pflege).

 

Das alles kann sehr schnell Erfolge haben oder länger dauern.

Das hängt immer vom Hund ab und wie tief das Trauma sitzt… und natürlich von der Motivation der Menschen, etwas zu verändern.

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