Bordauxdogge im Schnee

Dieser Satz wird ungefähr so oft in irgendwelche „Beratungen“ geworfen, wie der Dominanzmythos. Doch was hat es damit auf sich?

Machen wir uns wirklich ständig selbst Probleme mit unserem Hund?

 

Erstmal möchte ich vorweg nehmen, dass es hier nicht um Probleme geht, die durch einen bereits ausgebesserten „Fehler“ entstanden sind.

Also falls du zb (auf Empfehlung) mit deinem Hund viel in Hundezonen unterwegs warst und dein Hund dadurch eingezäunte Flächen gruselig findet, ist das natürlich nicht schön, aber du hast das ja bereits geändert und damit beste Voraussetzungen für eine Besserung geschaffen.

 

Wir machen alle Fehler und die meisten davon sind gut gemeint. Es hat also keinen Sinn, sich ewig selbst zu schelten, weil mal ein Fehler passiert ist.

Ich weiß, das ist schwer…

Aber du hast es erkannt, geändert und damit kannst du es auch abhaken. Dein Hund wird nicht dasitzen und über Rachepläne grübeln 😉

 

Manche „Fehler“ passieren auch unabsichtlich. Entweder, weil man garnicht daran denkt, dass xy ein Problem verursachen könnte, oder weil das Leben nun mal manchmal nicht nach Plan verläuft.

Ein kleines Beispiel: Hund sitzt am Sofa, ganz entspannt. Halter kommt nach Hause und hat ein großes, schwarz foliertes Paket in den Händen, das er mit rein nehmen wollte. Hund erwartet das nicht, erschrickt fürchterlich. Von diesem Tag an, sind alle Pakete, egal ob getragen oder abgestellt, unheimlich gruselig.

Der Halter hat sich nichts dabei gedacht, das Paket mit rein zu nehmen und weil Generalisierung von Angstauslösern (also das Verallgemeinern) so unglaublich schnell funktioniert, ist ein Problem entstanden.

 

Solche Situationen passieren leider. Wir können sie auch kaum verhindern, selbst wenn wir wirklich sehr gut aufpassen. Sich selbst Vorwürfe zu machen, bringt also nichts. Wir können das Problem erkennen und daran arbeiten.

 

Was aber, wenn der Hund durch ein Verhalten seines Menschen, eine Gegebenheit zuhause oder bestimmte Situationen ein Problemverhalten entwickelt?

Das kann passieren, wenn der Hund sich zB ein bisschen vor dem Staubsauger gruselt, dabei aber nicht ernst genommen wird und sich bei jedem Saugen die Angst verschlimmert.

 

In solchen Fällen ist wichtig, dass du deinen Hund im Alltag, besonders bei neuen Dingen beobachtest und im besten Fall bereits früh auf eventuelle Warnzeichen reagierst.

Zusätzlich kann viel präventiv erreicht werden. So kannst du zb deinem Hund beim Kauen immer mal wieder ein tolles Futterstückchen dazugeben, um Ressourcenthematiken vorzubeugen.

 

Doch was, wenn wirklich der Mensch ein Problem kreiert?

Meist wird das im Zusammenhang mit liebevollem Umgang oder Beschützen vorgeworfen. Doch das ist so gut wie immer quatsch.

Genau wie das „Vermenschlichen“ ist „Betüdeln“ meist kein Problem. Sozialer Kontakt ist für Hunde sehr wichtig, du kannst also getrost mit deinem Hund kuscheln, ihm Bett und Sofa erlauben und auch mit ihm teilen, wenn du das möchtest.

Das Problem entsteht dann, wenn der Hund nicht mehr Artgerecht behandelt wird. Selten aber doch gibt es zB Chihuahuas, dir ihr Leben in einer Handtasche fristen. Das ist tatsächlich ein Problem.

 

Angst verstärken

Entgegen der üblichen Meinung kann Angst nicht durch Futter oder Zuneigung verstärkt werden. Ist der Mensch aber super nervös oder ängstlich in einer Situation, kann sich das schon auf den Hund übertragen.

Wichtig also: tief durchatmen, selbst möglichst entspannt und souverän bleiben (Entspannungstraining funktioniert übrigens auch beim Menschen 😉 ) und dem Hund die Unterstützung geben, die er braucht.

 

Hochheben

Auch das verpönte Hochnehmen von kleinen Hunden, trägt im Normalfall keineswegs zur Entstehung von Problemverhalten bei. Hierbei ist zu beachten, dass der Hund nicht einfach hochgerissen wird, sondern das Hochnehmen mit Signal und langsam aufgebaut wird.

Fürchtet sich dein Hund also in einer Situation und mag gerne hochgehoben werden, kannst du das ohne weiteres einbauen.

 

Die harte Hand

Und hier haben wir das wirkliche Problem.

Vor allem bei starken Rassen, wie Molossern, wird oft behauptet, sie brauchen eine harte Hand.

Versucht das der Mensch umzusetzen, wird viel über Strafe gearbeitet.

Es fehlt das Einfühlsame und das Verständnis für die Bedürfnisse des Hundes und die Auslöser eines Verhaltens.

Dieser Irrtum entsteht übrigens aus Angst.

Der Mensch hat Angst, die Kontrolle über seinen Hund zu verlieren, was seiner Meinung nach zu aggressivem Verhalten, Unfällen oder negativem Feedback des Umfelds führen kann. Doch tatsächlich ist das Gegenteil der Fall.

Versuchst du nämlich, mit einem 60Kg Hund um die Kontrolle zu kämpfen, hast du vor allem als zierliche Frau schnell verloren.

Genau dann kommen auch dumme Kommentare von Passanten.

Oft ist die Lösung dann, den Hund durch Strenge immer wieder so einzuschüchtern oder zu verunsichern, dass er sich nicht traut, „Blödsinn“ zu machen. Doch das klappt genau so lange, wie die Motivation geringer ist als die Angst. Ändert sich das Verhältnis ist entweder die Kontrolle weg oder im schlimmsten Fall kommt es zum Beißvorfall.

 

Was ist also die Alternative?

Kurz und knapp: Kooperation.

Wenn dein Hund gerne mit dir zusammenarbeitet, dich als super Sozialpartner und Quelle von tollen Dingen (Spiel, Kontakt, Sicherheit, Futter,…) wahrnimmt, beugst du Problemen einfach vor.

Das erreichst du über Belohnung, wenn dir etwas gefällt, Alternativen anbieten für Unerwünschtes, kein Zwang, Bedürfnisse wahrnehmen und danach agieren und vor allem… Freude 😉

 

Du möchtest über deine spezielle Situation plaudern?

Dann buch dir gleich hier einen Termin