Hilfe, mein Hund kontrolliert/verfolgt mich

Immer wieder wird Hundehalterinnen erklärt, dass der Hund sie kontrolliert, wenn er ihnen zuhause nachläuft oder beim Spazieren ständig ansieht (nachdem ein Aufmerksamkeitssignal aufgebaut wurde besonders).

 

Aber stimmt das eigentlich?

Sind unsere Hunde solche Kontrollfreaks?

 

Sehen wir uns dazu doch zuerst die Situation beim Spazieren an.

Wir hätten gerne, dass unsere Hunde zumindest semi-aufmerksam sind, wenn wir gemeinsam durch die Welt streifen.

Macht ja Sinn, wenn der Hund nicht nur in seiner eigenen Welt versinkt sondern auch ab und zu schaut, ob wir noch da sind.

Zusätzlich wäre es dann noch schön, wenn der Hund bei einem Fahrrad/Auto/Hund/Mensch/Wildtier usw erst mal zu uns schaut, bevor er nachläuft oä.

Diese ganzen Wünsche erfüllen wir uns, indem wir ein Aufmerksamkeitssignal trainieren und freiwillige Aufmerksamkeit (also, wenn der Hund von sich aus zu uns schaut) belohnen.

Am einfachsten machen wir das mit Futter.

Immerhin kann man das in so vielen Varianten anbieten und überreichen, da wird einem nicht schnell langweilig und die meisten Hunde sind dafür zu begeistern.

 

Der Hund lernt also: zu Frauchen schauen lohnt sich.

 

Wenn er dann also immer öfter zu Frauchen schaut, heißt es plötzlich: „der kontrolliert dich aber ordentlich“ (wahlweise auch „wer trainiert hier wen“ oder „bist ein schöner Futterautomat“)…

Die Ironie ist dir sicher nicht entgangen.

 

Na klar macht ein Hund, was sich lohnt.

Jahrtausende Evolution haben den Hund zu einem Scavenger (frei übersetzt Futtersammler überwiegend von Nahrungsresten oä) gemacht, der natürlich Futterquellen schnell identifiziert und nutzt.

Diese Evolution ist übrigens auch der Grund, warum Hund so gern Exkremente fressen… es war eine Hauptnahrungsquelle.

Dazu kommt, dass jedes Lebewesen das macht, was sich lohnt (nutzen wir ja auch in der Erziehung, aber auch im Job = Gehalt).

 

Der Hund kontrolliert dich also nicht sondern macht, was ihm sinnvoll erscheint.

Willst du die Aufmerksamkeit ein wenig mindern, kannst du in spannenderen Gebieten spazieren gehen oder die Futterbelohnung immer mal wieder durch stimmliches Lob ersetzen.

Ist ja auch ein schönes Zeichen dafür, dass mal wieder ein Tapetenwechsel im Bezug aufs Spaziergebiet ansteht 😉

 

Ok, das war das Eine.

Eine ganz andere Geschichte ist das Nachlaufen zuhause.

Auch hier wird immer wieder behauptet, dass das Nachlaufen etwas mit Kontrolle zu tun hat und der Hund würde seinem Menschen nicht zutrauen, alleine klar zu kommen.

 

Dabei ist der Grund hierfür ganz simpel.

Der Hund rennt nach, weil er Angst hat, allein zu sein.

Das verhindert er mit dem Nachlaufen ja ganz einfach.

 

Deshalb haben Hunde, die zuhause nachlaufen ganz dringend ein Training fürs Alleinbleiben notwendig.

Natürlich gibt es Ausnahmen (sie riechen eine hormonelle Veränderung an ihrem Menschen, es geht ihnen selbst nicht gut, ihnen ist langweilig)… die sind aber sehr selten.

 

Also ist auch hier die Kontrolle kein Faktor.

Was so ein Hund braucht ist mehr Selbstbewusstsein, das man praktischerweise mit Beschäftigung trainieren kann, (so schließt man Langeweile gleich mal mit aus) und eben Training.

Das Training ist das, wo wir uns super wenig Fehler in Form von Überforderung leisten können. Denn jedes Mal, wenn der Hund wieder in die Panik beim Alleinsein verfällt, zerstören wir uns das bisher erreichte.

Deshalb ist hier Kleinschrittigkeit so wichtig.

Wenn das gerade Thema Nr. 1 bei euch ist, findest du hier den perfekten Kurs 😉

 

Jetzt passiert es immer wieder, dass die Hunde als Welpis super allein bleiben können und in der Pubertät ist dann plötzlich Schluss.

Vorerst sei gesagt, dass plötzliche Verhaltensänderungen immer ein Zeichen für gesundheitliche Probleme sein können und tierärztlich abgeklärt werden sollten.

In der Pubertät hat es aber meist mit der Gehirnentwicklung in Verbindung mit hormoneller Umstellung zu tun.

Der Hund kommt in eine sogenannte Spooky Period (Fremdelphase). Die haben auch Welpen immer wieder und sie zeichnen sich durch leichte Reizbarkeit und „Überreaktion“ aus.

Plötzlich sind Dinge gruselig, die vorher überhaupt kein Problem waren… oft auch aus der unbewegten Umwelt (Mülltonnen sind der Klassiker).

Befindet sich dein Hund in so einer Phase, braucht er Verständnis und Feingefühl.

In Bezug aufs Alleinbleiben gilt: neu aufbauen.

Keine Sorge, es geht meist schneller, weil es dein Hund ja schon mal gelernt hat (sofern es beim ersten Mal vorsichtig aufgebaut wurde).

 

Gibt es die Kontrolle des Hundes in Bezug auf uns Menschen dann überhaupt?

 

Für mich gibt es Situationen, wo uns Hunde kontrollieren.

Das eine sind die, wo ich das bewusst trainiere (zB beim medical training, wo der Hund durch Unterbrechung des Kooperationssignals jederzeit die Behandlung abbrechen kann. Er hat also Kontrolle über die Situation und meine Handlungen) und auch die, wo der Hund eigenständig handelt.

So können sich Hunde zB sehr gezielt platzieren um uns Wege zu versperren oder am Weitergehen zu hindern.

Hierbei geht es meist um Angst vor Besuchern oder um Ressourcenverteidigung in Bezug auf das Zuhause (aka Territorialverhalten).

Doch auch, wenn Hunde beginnen ihre Menschen zu hüten (dafür gibt es viele Gründe und es sind oft Kinder betroffen) kontrollieren sie mit ihren Bewegungen die unseren.

Im Prinzip gilt aber auch hier: die Hunde tun, was sich für sie lohnt.

 

Und egal, ob du es Kontrolle oder lohnendes Verhalten oder sonst wie nennst, wenn es dich stört, starte mit Training 😉

Weil suddern allein bringt dir nichts.

Bist du bereit zu starten?

Dann ab zum Kurs  🙂

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